Unikat VIII

Felix Rehfeld

Im Spannungsfeld zwischen Objekt- und Farbmalerei

Seit geraumer Zeit beschäftigt sich Felix Rehfeld mit dem Thema Lackrelief. Doch bedeutet das nicht, dass er Farb- oder besser Lackmalerei mit objekthaftem Charakter herstellt – auch, wenn das im ersten Augenblick so scheinen mag. Was hier entsteht und entstanden ist, ist ein ebenso komplexes wie simples Beispiel von gemalter Realität, freilich einer, die sich mit der Abstraktion einer zweifach gespiegelten Realität befasst und das noch im Medium des Reliefs.

Doch fangen wir ganz einfach am Anfang an.

Aus der Idee heraus, die Malerei selbst zum Thema seiner Malerei zu machen, beginnt Felix Rehfeld, von ihm gemalte Arbeiten, pastose Landschaften oder mit Öl- oder Lackfarbe bemalte Flächen und kleine Reliefs zu fotografieren und diese später wieder zum Ausgangspunkt weiterer Malerei zu nehmen. A rose is a rose is a rose…, was einst Gertrude Stein geschrieben hat, kann in abgewandelter Form auch für Felix Rehfeld gelten: Malerei ist Malerei ist Malerei…

Dass damit auch reflektierte Realität, nämlich Licht- und Schattenspiele und Teile des Ateliers verinnerlicht werden, ist geradezu klassisch zu nennen. Bis zu „Las Meninas“ von Velásquez könnte man hier zurück verweisen.

So abstrakt also Rehfelds Lackreliefs anmuten, sie lassen sich auf grundlegende Voraussetzungen der Malerei zurückführen. Dass er bei seiner neuesten Serie als Vorlage kleine MDF-Blöcke wie Edelsteine angeschliffen hat und eine gewölbte und gekantete Form herausarbeitet, dass er diese Form dann lackiert und sofort danach eben genau das fotografiert, was darauf zu sehen ist – nämlich sein in den noch flüssigen Lackflächen gespiegeltes Atelier, in dem die Lichtsituation und selbst an den Wänden hängende Bilder auszumachen sind -, erinnert in Teilen an die Arbeitsweise alter Meister, nun ganz zeitgenössisch interpretiert. Auch die holländischen Stilllebenmaler haben Teile ihres Ateliers, in Gläsern, Pokalen und selbst Früchten gespiegelt, in ihre Darstellung mit hineingenommen. Doch durchbricht Rehfeld die klassische „Einbahnstraße“ des Realitätsbezuges. Er baut seine Werkrealität (das lackierte Relief) selbst und verankert diese mit der umgebenden Realität auf verblüffende Weise. Ähnlich Gerhard Richter in seinen Glasskulpturen, lässt Rehfeld die Realität vielfach gesehen, gebrochen und widergespiegelt erscheinen. Er nimmt einen abstrahierten Körper (sein Relief, das visuell eine gewollte Licht- und Schattensituation provoziert), malt darauf die Reflexion abstrahierter Realität seiner Umwelt (das verzerrte Bild seines Atelierraumes auf der lackierten Urform) und lässt beide Realitäten sich verschränken. Das mag zu einer Steigerung oder zu einer Aufhebung der Illusion führen, weil sich beide, das physisch reale und das gemalte Relief, in vielerlei Hinsicht überlagern. Doch sucht und will Felix Rehfeld diesen Widerspruch, der eine Verwirrung beim Betrachter auslösen kann, und gebietet ihm künstlerisch zugleich Einhalt. Denn im Unterschied zu Gerhard Richters Glasskulpturen, die sich potentiell nach innen und außen ins Unendliche erweitern und Raum-, Objekt- und Bildgrenzen auflösen können, sind Rehfelds Reliefs in sich abgeschlossen. Hier dominiert der Objektcharakter.

Rehfelds Lackreliefs haben als Einzelobjekt etwas von einem Augenschmeichler. Sie sind sinnlich, farbenfroh, ja fast elegant zu bezeichnen. Sie faszinieren durch ihre klare Verschleierung. In ihrer Gesamtheit von 52 Arbeiten gesehen, öffnen sie einen nur selten beschrittenen Weg von Malerei. Relief als Malerei, Malerei als Relief? Für den Künstler selbst entsteht hier ein zwar physisch existierender, aber nicht wirklich greifbarer „Zwischenraum“, der dem Bild gerade deshalb zu einer eigentümlichen Präsenz verhilft. In der Kunstgeschichte haben Barock und Rokoko mittels Trompe l’œil Relief und Malerei verbunden, freilich mit anderen Intentionen. Seit Kubismus und Konstruktivismus sind beide Medien von einzelnen Künstlern zusammengeführt worden. Allein Gotthard Graubners Interpretation von farbigen Raumkörpern, denen er sich seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts widmet, führt zu einer stilbildenden Synthese. Doch bleiben Graubners Farbkissen durch ihre pigmentgetränkte grobe Leinwand dem Immateriellen viel näher. Bei ihm geht es um Farbe. Rehfeld dagegen spielt gestalterisch mit dem Gedanken der Reflexion und Realität und dekliniert Möglichkeiten beider auf eigene Weise durch. Das macht die Arbeiten als Einzelwerke und als Werkgruppe so besonders. Und, wer weiß, vielleicht dienen Rehfelds Lackreliefs dem Künstler ja wiederum als Vorlage zu neuer Malerei oder neuen Reliefs. Wir sind gespannt, wie es von hier aus weitergeht. A rose is a rose is a rose….

Dr. Erika Költzsch, Galerie Haas, Zürich