Unikat III

SEO

… es kann auch eine Landschaft, eine Blüte oder ein Blatt sein
und beim nächsten Hinschauen vielleicht ein Sonnenuntergang …

– SEO

Ohne jeden Zweifel kann man die in Korea geborene und in Deutschland lebende Soo-Kyoung SEO, genannt SEO, als eine Ausnahmekünstlerin bezeichnen: Sie ist gerade einmal Anfang dreissig und dennoch schon seit vielen Jahren eine viel beachtete und mit grossen Ausstellungen gewürdigte Künstlerin.

Ihre Arbeiten sind international gefragt und in vielen der bedeutendsten Museen und Sammlungen vertreten. Bereits jetzt kann sie auf eine erstaunliche Anzahl von Einzelausstellungen und Teilnahmen an Biennalen zurückblicken und scheint dabei doch weder müde, übermäßig routiniert, oder unter dem stetig wachsenden Druck zu leiden. Sicherlich genießt sie die Anerkennung jeweils für einen Moment, aber im nächsten spricht sie bereits über neue Projekte.

Jede Anerkennung scheint für SEO lediglich ein Ansporn zu sein, weiter zu machen, sich weiter zu entwickeln, ohne sich dabei von der eigenen Idee und dem eigenen Anspruch zu entfernen.

Schon früh wußte die 1977 in der südkoreanischen Stadt Gwangju geborene SEO recht genau, was sie wollte und überzeugte Ihre Familie, sie zu unterstützen. Nach dem Schulabschluss studierte sie an der Cho-sun Universität traditionelle Tusche-Malerei und schloss die Ausbildung dort im Jahr 2000 als Jahrgangsbeste ab.

Mit dem Wunsch, ihren Horizont zu erweitern und beeindruckt von den deutschen Expressionisten, zog es sie mit 24 Jahren nach Berlin und sie ließ sich durch keine Unwegsamkeit von ihrem Ziel, dem Besuch der Klasse von Professor Georg Baselitz an der Universität der Künste in Berlin, abbringen. Abschließend absolvierte sie bis 2004 seine Meisterklasse und wurde anschließend mit dem ‚Preis des Präsidenten’ ausgezeichnet.

In ihren heutigen Arbeiten verbindet SEO die Wurzeln ihrer Ausbildung in Korea mit den Einflüssen der westlichen Malerei in ihrer eigenartigen und besonderen Collage-Technik. Mit Tusche skizziert sie das Motiv auf die grundierte Leinwand, coloriert es dann jedoch, statt mit dem Pinsel die Farbe direkt aufzutragen, mit kleinsten farbigen Reispapierfetzen.

Die Wiederholung dieses Vorgangs lässt teils mehrere sich überlagernde und überschneidende Schichten entstehen, die dem Bildaufbau eine besondere Dichte und Tiefe verleihen. Entscheidend für die malerische Wirkung der weich auslaufenden Linien, ist das manuelle Zerreissen des Hanji-Papiers, das sie selbst auch als einen zerstörerischen Prozess wahrnimmt.

Vielleicht ist es dieses Zerstören und neu Arrangieren, dass ihren farbigen und ästhetischen Motiven, trotz der positiven und lebensbejahenden Ausstrahlung, dennoch eine abstrakte Fragilität verleiht, und ihre Arbeiten dadurch auf den Beobachter eine einladende, faszinierende, dabei aber auch zu Nachdenklichkeit anregende Wirkung ausüben.

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